Die Thüringer Regierungskoalition hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der das Grüne Band zum Nationalen Naturmonument erklären und damit bundesweit erstmalig unter besonderen Schutz stellen will. Es wäre das dritte in der Bundesrepublik. 2016 wurde der Hutewald der Ivenacker Eichen in Mecklenburg-Vorpommern als ein solches ausgewiesen, im vergangenen Jahr die Bruchhauser Steine mit ihrer arktisch-alpinen Flora im Sauerland (Nordrhein-Westfalen). Der Entwurf liegt derzeit dem Landtag zur Beratung vor. Die Chancen, die in dieser Verbindung von Biotopverbund und Erinnerung an die frühere Teilung für die Region liegen, aber auch die Sorgen und Bedenken von Anwohnern und Kommunen diskutierten der SPD Kreisverband mit Dagmar Becker, parlamentarischer Geschäftsführerin und umweltpolitischer Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, und Dr. Babette Winter, Staatssekretärin für Kultur und Europa in der Thüringer Staatskanzlei in Vacha. Neben Sylvia Hartung, Bürgermeisterin Gerstungen, und Martin Müller, Bürgermeister Stadt Vacha, folgten auch Bürger und Mitglieder von Umweltverbänden der Einladung.


Dr. Babette Winter (3. von links) spricht über die Beweggründe, das Grüne Band als Nationales Naturmonument auszuweisen

Staatssekretärin Babette Winter sieht darin vor allem eine Chance für die Region. „Das Grüne Band kann eine Marke werden“, sagte sie. Gleichzeitig wollte sie in Vacha Sorgen der Anwohner und der Kommunen nehmen. „Es wurde immer mal wieder von einer zweiten Enteignung gesprochen. Das geht gar nichtg, denn es wird den Leuten, die damals um Grundstück und Haus gebracht wurden, nicht gerecht“, betonte sie. Trotz einer möglichen Ausweisung als Nationales Naturmonument soll das Grüne Band erfahrbar bleiben. „Menschen werden nicht wieder ausgesiedelt“, sagte die Staatssekretärin. Als nächsten Schritt will Babette Winter eine Übersicht erstellen lassen, die die bisherigen Initiativen entlang der ehemaligen Grenze aufzeigt.

Auch in Vacha wird an die frühere Teilung der Region, den Kalten Krieg und die friedliche Revolution erinnert. Eben diese Kombination will die Thüringer Regierung nun stärken. Die in Vacha vorhandene Geschichte müsse „noch besser in Wert gesetzt werden“, forderte Babette Winter. Sie denkt dabei nicht an eine eigene Gedenkstätte, sondern an Tafeln, die die Besucher über die Geschichte informieren – ohne teures Personal, das die Kassen der Gemeinden belasten würde. Zudem müssten Wegebeziehungen geklärt und Sichtachsen zwischen den Gebäuden geschaffen werden, wobei das Land finanziell unterstützen könnte. Naturschutz, Denkmalpflege und Erinnerungskultur sollen gleichrangig behandelt werden.

Wie viele Stadtoberhäupter ist auch Vachas Bürgermeister Martin Müller (CDU) auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen. Während ein Teil des Stadtmuseums der Grenzgeschichte gewidmet ist, der Grenzturm 2015 erschlossen und saniert wurde und seitdem von einer Interessengemeinschaft betreut werde, fehle bisher das verbindende Element. Frank Pach merkte an, dass man sich nicht verzetteln dürfe. „Hier könnte eine Wanderalternative zu Point Alpha entstehen“, sagte er. Der erste Schritt dafür sei ein schlüssiges Konzept. „Damit kann man die Leute überzeugen, auch wenn mal ein Baum gefällt werden soll“, so Pach.


Martin Müller erklärt aus Sicht des Bürgermeisters der Stadt Vacha die Bedeutung des Grünen Bandes

Fast 40 Jahre teilte der Eiserne Vorhang Europa. Vom Eismeer bei Finnland bis ans Schwarze Meer verlief eine Barriere, deren Unmenschlichkeit sich am stärksten in Deutschland zeigte. Sie zerschnitt ein Land in Ost und West, trennte Familien und Freunde für Jahrzehnte. Von der ehemaligen innerdeutschen Grenze sind 763 km Landesgrenze von Thüringen, ein großer Teil davon ist Westgrenze des Wartburgkreises. Doch die Natur eroberte die Grenzlinie. Es entstand das „Grüne Band“ mit wertvollen Lebensräumen voller seltener Tiere und Pflanzen. Sein besonderer Wert liegt in der einmaligen Verbindung von Überresten der historischen Grenzbefestigungsanlagen und vielfältigen Biotopstrukturen. Mit der Grenzöffnung hat sich dieser Teil unseres Landes aber auch für die Menschen die hier leben entwickelt und ist lebenswerter Raum mit vielfältigen Verbindungen zwischen Thüringen und Hessen geworden. Ausgehend vom Grünen Band Deutschland hat sich die faszinierende Idee des Grünen Bandes Europa, „The Green Belt“, entwickelt.

Maik Klotzbach, SPD-Kreisvorsitzender, erklärt abschließend: „Das Grüne Band kann ausgehend von Deutschland zu einem europäischen Projekt werden. Es verbindet Länder mit einer gemeinsamen Geschichte. Länder, die sich vor nicht allzu langer Zeit noch feindlich gegenüberstanden. Wir müssen die Chancen im Blick haben und dürfen uns nicht so sehr von den Befürchtungen lenken lassen. Die Landesregierung muss den Dialog mit den Betroffenen fortsetzen. Dann kann das Projekt „Nationales Naturmonument Grünes Band“ gelingen.“

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