Die Entwicklung der Erneuerbaren Energien schreitet rasant voran und sie sind aus dem Energiesektor nicht mehr wegzudenken. Die Technologien werden immer effizienter und dadurch wird auch die Nutzung von Kleinanlagen immer interessanter. So zum Beispiel die Mini-Photovoltaik für dem Balkon oder vertikale Windkraftanlagen. Dieser Trend hält weltweit an und Energiegewinnung aus Sonne, Wasser und Wind nimmt einen immer größeren Anteil am Strommix ein.

Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden eG gehört in Thüringen zu den größten Betreibern von Erneuerbaren Energien Anlagen und behandelt dieses Thema in ihrem Mitgliedermagazin. Gefragt werden Politiker aus der Region, wie es mit den Erneuerbaren Energien weitergehen kann und welche Rolle die Kreise, Städte und Gemeinden dabei spielen.

Ausschnitt aus dem Mitgliedermagazin vom Frühling 2021 der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden eG mit der Meinung des stellv. Kreisvorsitzenden Maik Klotzbach

Leider spielt der Wartburgkreis bei den Erneuerbaren Energien in seinem Verantwortungsbereich nur eine untergeordnete Rolle. Trotz der finanziellen Möglichkeiten wird kaum in diesem Bereich investiert. Das Potential, die Energiekosten zu senken und damit zukünftig Kosten zu reduzieren, wird kaum ausgeschöpft. Ein Beispiel ist das Gebäude des Landratsamtes. Seit mehreren Jahren fordern wir schon die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach. Leider blockiert man seitens der Verwaltung die Umsetzung. Dies ist eine sträfliche Vernachlässigung!

Die Kommunen können Motor für die Energiewende sein. Sie kennen den Bedarf vor Ort und haben den kurzen Draht zu den Bürgern. Wir haben unzählige kommunale Gebäude und auch viele Brachflächen. Mit Erneuerbaren Energien können Energiekosten drastisch reduziert werden und damit die Haushalte entlastet werden. Das schafft finanziellen Spielraum für wirklich wichtige Investitionen in Kindergärten, Schulen oder die Infrastruktur. Ebenso können Brachflächen und alte Industrieflächen rekultiviert werden. Möglichkeiten und Potential sind enorm. Schlussendlich steuert der Markt die Innovationen. Das heißt, wenn Kommunen kleine und auf die Bedingungen zugeschnittene Anlagen nachfragen, werden diese auch in größerer Auswahl angeboten.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien stößt aber insbesondere bei Flächenphotovoltaikanlagen und Windkraftanlagen immer wieder auf Widerstand. Begründet, wenn die Einbindung der Bürger und Kommunen viel zu spät und nur sehr spärlich erfolgt. Hinzu kommt, dass die Gewinne meistens in der Tasche von Großkonzernen und Investoren landen. Die Investitionssummen und schließlich auch die Bürokratie lassen viele genossenschaftliche und kommunale Projekte schnell im Sande verlaufen. Die Akzeptanz für Erneuerbare Energien ist bei einer direkten Beteiligung der Kommunen und Bürger erwiesen deutlich höher.

Ein weiterer Schönheitsfehler ist die Darstellung der EEG Umlage und weiterer Subventionen (z.B. Offshore Windenergie) über den Strompreis. Dadurch wird eine künstliche Erhöhung des Strompreises erzeugt, der selbstverständlich bei den Bürgern zu großem Unmut führt. Besonders betroffen sind hiervon Geringverdiener, die wenig Chance haben durch den Kauf von stromsparenden Geräten oder der Investition in eine eigene Stromerzeugung diesem Preisanstieg entgegenwirken zu können. Dies gilt jedoch nur für die Erneuerbaren Energien. Die gigantischen Subventionen für Kohle, Atom, Gas und Öl werden versteckt oder man bedient sich der Möglichkeit, hier eine reduzierte Besteuerung bzw. Ausnahme zu erteilen. Das fördert insbesondere das Märchen vom „billigen“ Atomstrom. Von den Folgekosten durch Umweltzerstörung (z.B. Atom- und Ölkatastrophen) und den Kosten des Klimawandels haben wir noch gar nicht gesprochen.

Der Klimawandel und der Umstieg auf Erneuerbare Energien bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die große Kunst besteht darin, niemanden abzuhängen und eine faire Verteilung der Kosten zu schaffen. Erneuerbare Energien ermöglichen eine dezentrale Energieversorgung und damit Wertschöpfung vor Ort. Das kann ein großer Gewinn für den ländlichen Raum sein. Dazu bedarf es aber der richtigen gesetzlichen Rahmenbedingungen und natürlich das Engagement und den Mut der Kommunen und Bürger sich daran zu beteiligen. Die Vorteile müssen sichtbar werden. Und das geht nur, wenn die Gewinne vor Ort bleiben und wieder investiert werden können.

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