In den Räumen des Schweinaer Seniorenreffs kamen interessierte Menschen aus dem Altensteiner Oberland, aus dem Moorgrund und darüber hinaus zusammen, um mit der Staatssekretärin für Europa und Kultur, Dr. Babette Winter und Carsten Brand über die Potentiale und Chancen einer so traditionsreichen Kulturlandschaft wie der hiesigen ins Gespräch zu kommen. SPD Kreisverband und Ortsverband haben die Veranstaltung im Vorfeld organisiert.
Maik Klotzbach, Kreisvorsitzender der SPD Wartburgkreis, begrüßt die zahlreichen Gäste, „Kultur ist ein Stützpfeiler im ländlichen Raum. Ob es die Bibliothek, ein Tierpark, Denkmäler, Vereine, Kleinkust oder die Theatergruppe ist, die Vielfalt ist groß. Sie alle sind Bausteine für einen lebenwerten ländlichen Raum. Ohne motivierte Ehrenamtler wäre das natürlich alles nicht möglich. Und daher ist es umso wichtiger, dass Kommunen die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen. Insbesondere Kommunen mit klammen Kassen sind dabei wiederum auf das Land angewiesen.“


Diskutieren mit den Gästen: Martin Geißler, Ortsteilbürgermeister Wölferbütt; Maik Klotzbach, SPD Kreisvorsitzender; Carsten Brand, Bürgermeister Empfertshausen; Dr. Babette Winter, Thüringer Staatssekretärin für Europa und Kultur

Carsten Brand bedauert, dass zu viele finanzielle Mittel in die großen Städte fließen. „Der ländliche Raum verliert meistens. Der Aufwand und die Bürokratie sind oft so groß, dass kleine Kommunen daran scheitern. Es fehlt eben oft auch das Personal, dass sich hauptamtlich damit auseinandersetzen kann. Der Einwohnerrückgang und die alternde Gesellschaft machen es auch nicht leichter. Viele Vereine und Verbände müssen echt kämpfen. Bekommt man dann noch Steine in den Weg gelegt, geben viele auf“, betont Brand.


Zahlreiche Gäste sind zur Diskussionsrunde nach Schweina gekommen

Babette Winter, bis Dezember Thüringens Kultur-Staatssekretärin und bis zur Europawahl 2019 freigestellt, weil sie als Nachfolgerin für Jakob von Weizsäcker ins Europäische Parlament nachrücke, warb: Seien sie penetrant, sie müssen dem Land auf den Keks gehen, kümmern sie sich hartnäckig, dann klappt es auch mit der Förderung kultureller Projekte. Besonders regt Sie auf, dass oft das Totschlagargment „Kein Geld für freiwillige Ausgaben“ mit restriktiven Sparauflagen und angedrohten Kürzungen von Landeszuweisungen bestraft werden. Hier muss auch ein Umdenken in der Kommunalaufsicht erfolgen.

Bei den Anwesenden Gästen stößt der Abriss der Stadthalle in Bad Liebenstein auf Unverständnis. „Man lässt ein Kulturzentrum im ältesten Kurort Thüringens kaputt gehen für einen sechsten Supermarkt im Ort – das ist eine Entwicklung, die tut der Region nicht gut“, betont Schweinas einstiger Bürgermeister Jürgen Holland-Nell. Nun habe Bad Liebenstin keinen Saal mehr für Veranstaltungen mit 200 Personen.
Ein Stück besser gehe es dem Saal im Schweinaer Bürgerhaus, denn dieser existiert noch. Eine Sanierung des Saals, ja des ganzen Bürgerhauses sei aber überfällig. Wir wollten auf eigene Kosten die Kronleuchter im Saal mit LED Lampen bestücken, um Verbrauchskosten zu sparen, aber sogar das wurde aus Angst vor Unfällen abgelehnt, wurmt SPD Stadtrat Christoph Willer. Er ärgert sich auch, dass zumindest die Stadträte der Opposition den Bürgermeister-Wahltermin aus der Zeitung erfahren mussten. Man wählt nicht so einen Wahltag zwischen den Jahren aus. bringt Babette Winter darüber ihren unmut zum Ausdruck.
Kritik an der Kulturförderung in Bad Liebenstein kommmt von Unternehmerin Heike Tempel aus Liebensteins Stadtteil Bairoda. Für sie ist es ein Ärgernis, dass der Wahlflyer des CDU-Bürgermeisters um ein vielfaches üppiger ausfällt, als Liebensteins lieblos gemachtes Tourismusfaltblättchen, zumal der Tourismus für die Stadt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist und die Tourismusförderung ein großer Posten im Haushalt sei. Vom Reformationsjahr 2017 als auch vom 117. Deutschen Wandertag habe der Kurort in keiner Weise profitiert. Sie vermisse fehlende Impulse seitens der Stadtverwaltung. Ihrer Ansicht nach hätte das Freibad nicht geschlossen werden müssen.
„Bündeln sie für ihre Kultur, für ihre Kunstschule, für ihre Musikschule alle Kräfte, mobilisieren sie ihre Bürger, um diese Schätze zu erhalten“, erklärt Babette Winter abschließend. „Und ich wundere mich über den Wahltermin. Man wählt nicht so einen Wahltag zwischen den Jahren aus.

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