Auf dem Landesparteitag stellte der SPD Kreisverband einen Antrag zur Stärkung der örtlichen Apotheken

Die Apotheken leisten den wesentlichen Teil der Arzneimittelversorgung. Sie decken die Nacht- und Notdienste ab und müssen ausgebildetes Fachpersonal vorhalten, Beratungsleistungen inklusive. Sie haben allerdings im Vergleich zu den online Arzneimittelversendern nicht die gleichen Möglichkeiten Rabatte auszuhandeln. „Das geht zu Lasten der stationären Apotheken“, sagt Stefan Fink, Landesvorsitzender Thüringer Apothekerverband. Und sagt weiter: „Die Arbeit haben wir doch hier vor Ort. Wenn Menschen Fragen zu Medikamenten hätten, dann kämen sie in die Apotheke.“

Apotheken vor Ort stärken: Dr. Thomas Hartung (SPD Landtagsabgeordneter), Stefan Fink (Landesvorsitzender Thüringer Apothekerverband), Wolfgang Tiefensee (Wirtschaftsminister), Lutz Kromke (SPD Wartburgkreis), Maik Klotzbach (SPD Wartburgkreis)

Die Thüringer SPD will das Thema im Landtagswahlkampf auf die Agenda setzen und hat es schon bei ihrem Landesparteitag diskutiert. Landesvorsitzender Wolfgang Tiefensee sagt: „Thüringen braucht neue Konzepte der Gesundheitsversorgung, um diese auch in Zukunft in guter Qualität überall sicherzustellen.“ Einen ersten Schritt in diese von Tiefensee benannte Richtung soll der zur Debatte stehende Antrag sein, den die SPD Wartburgkreis ins Spiel gebracht hat.

Lutz Kromke (SPD Wartburgkreis)

Federführend ist der stellvertretende Kreisvorsitzende Lutz Kromke. Er sagt: „Die Gleichpreisigkeit muss kommen.“ Gehör fand er in der Landes-SPD, die den Antrag jetzt auf dem Parteitag zur Debatte stellt.
Darin ist das Ziel der Gleichpreisigkeit formuliert. Es wird eine Gesetzgebung gefordert, die es ausschließt, dass Online-Händler bessere Preise für rezeptpflichtige Medikamente anbieten können, als die stationären Apotheken. Kromke macht deutlich: „Apotheken sind für das Versorgungsnetz ebenso von Bedeutung wie Arztpraxen, Pflegedienste oder Krankenhäuser.“ Durch sie werde der Zugang zu Medikamenten sowie qualitative Information und Beratung vor Ort gesichert.

Thomas Hartung, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Thüringen und an der Antragserarbeitung mittelbar beteiligt, erklärt: „Der Online-Handel setzt die Apotheke vor Ort unter Druck.“ Er hält es für richtig, den Apotheken vor Ort das unterstützende Signal zu senden. Stefan Fink indes unter mauert den Druck, den die Apotheken in Thüringen spüren, mit Zahlen: 100.000 Euro Umsatz verliere jede Apotheke pro Jahr an den Versandhandel. Das sei umgerechnet ein Jahresgehalt für einen Pharmazieingenieur.
Personell stehen die Apotheken in Thüringen in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Schon befänden sich 7,5 Prozent der Thüringer Apothekeninhaber im Rentenalter. Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird jeder vierte Apothekenchef 65 oder älter sein. „Die Ausbildung muss dringend forciert werden“, sagt Fink und fordert, dass endlich Klarheit über die Umsetzung des Neubaus an der pharmazeutischen Fakultät der Uni Jena geschaffen wird. Denn die Apotheken, so Fink, müssten bleiben – vor allem, weil ältere Menschen sie lieber aufsuchen würden, als im Internet zu bestellen. Mittlerweile hat eine Apotheke in Thüringen knapp 1000 Menschen über 65 Jahre in ihrem Einzugsgebiet – 2011 waren das nur 875.

Wer viele Medikamente benötigt, der kann bei der Bestellung im Internet durchaus sparen. Die stationären Apotheken stellt das vor Probleme. Die SPD will das Thema angehen.

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