Mihla. Die Bedenken und Einwände von neun Beteiligten sind so erdrückend, dass das Thüringer Landesverwaltungsamt (LVA) nach einem Besprechungstermin am Montag im Mihlaer Rathaus die Notbremse zog und das Normsetzungsverfahren zum Naturschutzgebiet „Klosterholz und Nordmannsteine“ stoppte. „Nach meiner Einschätzung ist es ein sehr deutliches Signal für die Wertstellung des Naturschutzes in unserer Region“, kommentiert Lutz Kromke (SPD), Vize-Vorsitzender des Vereins der Freunde des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal und des Nationalparks Hainich (VdF), die Entscheidung. Mit diesem Verfahren sollte die Verordnung über das Naturschutzgebiet eine Anpassung erfahren.

Auf breite Ablehnung stieß das Ansinnen, Flächen der Werraaue aus dem Naturschutzgebeit (NSG) herauszunehmen. Im Gegenzug sollte das NSG bei Hahnroda leicht vergrößert werden. „Für diese Herausnahme der Werraaue fehlt eine stichhaltig Begründung“, klagt Klaus Fink vom BUND Eisenach-Wartburgkreis. Mit der Ausgliederung der Werraaue versprach sich das LVA, den Werratalradweg an den Rand des NSG und sich aus der wegetechnischen Verantwortung zu schieben. „Der Radweg ist eigentlich rechtlich gar nicht existent“, mein Johannes Hager, Leiter der Naturparkverwaltung. Beim Treffen im Mihlaer Rathaus sei auch der Begriff „Schwarzbau“ gefallen. Umso wichtiger sei es, den Weg, der in den 90er Jahren über ABM-Maßnahmen entstand, nun rechtlich einzuordnen, damit auch die tangierenden Kommunen Planungssicherheit erhalten. Wenn die zukünftige Unterhaltung des Radweges geklärt ist, können der Radweg weiter im NSG verbleiben, so Uwe Katzenberger von der Oberen Naturschutzbehörde bei der Beratung im Mihlaer Rathaus. „Wir finden es richtig, dass der Fahrradweg nach der Brückensanierung über die alte Eisenbahnbrücke gelenkt werden soll, da so auch der Prallhang der Werra in diesem Bereich weitgehend aus der touristischen Schusslinie genommen wird und Flussdynamiken mit Einschränkungen wieder möglich sind, was sich auf die Naturausstattung positiv auswirken wird“, betont der Naturpakleiter.
Für ihn gewinnt gerade die Werraaue in naturschutzfachlicher Sicht weiter an Bedeutung. „Der Biber wandert derzeit hier aktiv ein und muss geschützt werden“, betont Hager. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht gebe es keine Bedenken, dass die Werraaue weiter im Naturschutzgebiet verbleibt. „Es handelt sich um einen halben
Hektar – volkswirtschaftlich hat der Fleck keine Bedeutung“, erklärt Wilfried Müller, Geschäftsführer der Hainich-Fleisch und Vieh KG Bischofroda. Das Areal der Werraaue werde entsprechend dem vorangeschriebenen Umweltprogramm extensiv beweidet, um es offen zu halten. „Zweimal im Jahr weiden dort für ein bis zwei Tage zehn bis zwölf Kühe“, erzählt Müller.
Ein ganz anderes Thema brachte das Normsetzungsverfahren ins Rollen. „Damit wird der Steinbruch Buchenau endgültig beerdigt“, freut sich Klaus Fink vom BUND. So sollen die Ausnahmegenehmigungen für die Kalkschotter-Ausbeutungen im NSG verschwinden. Das Steinbruchgelände ist im Eigentum des ehemaligen Betreibers, der sich aufgrund der lastenden Verantwortung nur zu gern davon trennen würde. Ein Käufer dürfte schwerlich zu finden sein. „Keiner will sich zusätzlich mit Problemen belasten“, sagt Hager. Er nennt beispielsweise den widerrechtlichen Ansturm von Badegästen. „Die Felspartien sind locker, da kann jederzeit etwas ins Rutschen geraten“, warnt Hager. Die einzige Möglichkeit sei seiner Ansicht die Übernahme durch den Freistaat. Alle Beteiligten sind sich einig, dass sich neugierige Besucher dort nur schwerlich aussperren lassen. Auch wenn der Badebetrieb in der vom Volksmund getauften „Blauen Lagune“ weiterhin streng verboten ist, wird zumindest am Sohle-See-Biotop eine Besucherlenkung in Betracht gezogen. „Es wird daran gedacht, ebentuell einen Aussichtspunkt einzurichten“, sagt Lutz Kromke (SPD).
Auch mit dem vorläufigen Stopp des Normsetzungsverfahren ist das Thema längst nicht vom Tisch. Nun heißt es abwägen, ob das Normsetzungsverfahren mit berücksichtigten Einwänden fortgeführt werden soll, oder es zu einer völlig neuen Ausweisung des Naturschutzgebeites kommt. „Es wird wohl Richtung Neuordnung gehen“, meint Hager.

Thüringer Landeszeitung

SPD Wartburgkreis
Maik Klotzbach

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