Bad Salzungen. Der gegenseitige Austausch zwischen Menschen mit und ohne Behinderung stand am 03. Mai, dem „Tag der Begegnung“, auf dem Salzunger Marktplatz im Vordergrund. Jana Henn, Mitglied der Initiative „Gib niemals auf“ freute sich, dass sich heute so viele auf dem Marktplatz zusammengefunden haben. Rund um den 5. Mai, den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, laden Verbände und Organisationen der Behindertenhilfe und -selbsthilfe bundesweit zu Aktionen zum Thema Barrierefreiheit ein. Der Tag, der federführend vom Förderverein der Initiative „Gib niemals auf“ organisiert wird, fand aufgrund des Feiertages bereits am Dienstag statt. Seit elf Uhr waren zahlreiche Vereine, Verbände, Firmen und Selbsthilfegruppen aus Bad Salzungen mit Infoständen und verschiedenen Aktionen auf dem Marktplatz vertreten. Menschen mit und ohne Behinderung, Kranke und Gesunde, Alte und Junge, Betroffene und Neugierige konnten bis 16 Uhr untereinander ins Gespräch kommen. Mit dem Motto der Aktion Mensch „Einfach für alle – gemeinsam für eine barrierefreie Stadt“ gehe es in erster Linie um Barrierefreiheit, aber letztlich wolle man sich auch der Selbsthilfe widmen, so Henn. Gemeinsam wolle man Probleme ansprechen und nach Lösungen suchen. „Wir können alle voneinander lernen“, sagt Jana Henn.

Den gegenseitigen Austausch suchen, wünschte sich auch der Behindertenbeauftragte der Stadt Bad Salzungen, Christian Schließmann. „Neben viel Licht sehe ich auch immer noch viel Schatten“, betonte er. Der barrierefreie Bahnhof ist ein Lichtblick. Die hohen Standards setzen Maßstäbe für weitere Projekte wie ein zukünftiges Blindenleitsystem in der Pestalozzi-Straße. Viel Schatten wirft allerdings der Zustand auf und um den Marktplatz. „Hier gibt es keine Geschäfte mit barrierefreiem Zugang für behinderte Menschen.“ Auch die Behindertenparkplätze am Klinikum seien in ihrer jetzigen Anzahl nicht ausreichend. Hin und wieder denke er angesichts der hohen Zahl an Hindernissen darüber nach, einen Negativpreis namens „Bleierne Barriere“ zu verleihen. Eine Kurstadt habe die Pflicht, diese Hindernisse nach und nach aus dem Weg zu räumen. Immerhin kämen zu den 3378 Salzungern auch Gäste mit anerkannter Behinderung hinzu. Am Tag der Begegnung wolle er neue Kontakte knüpfen und gemeinsam Probleme diskutieren. „Wir haben noch viel zu tun“, so Schließmann.

Christian Schließmann (SPD) hält seine Rede als Behindertenbeauftragter der Stadt Bad Salzungen (im Hintergrund: Instrumental- und Gesangsgruppe "Irre Trommeln" der AWO Begegungsstätte für Psychisch Kranke)

Christian Schließmann (SPD) hält seine Rede als Behindertenbeauftragter der Stadt Bad Salzungen (im Hintergrund: Instrumental- und Gesangsgruppe „Irre Trommeln“ der AWO Begegungsstätte für Psychisch Kranke)

Rede von Christian Schließmann (SPD), Behindertenbeauftragter der Stadt Bad Salzungen

Werter Günther Schwarze
Sehr geehrte Vertreter der Kliniken und Mitarbeiter der beteiligten Firmen
Mein ganz herzlicher Gruß gilt den Teilnehmern der Vereine, Verbände, Selbsthilfegruppen und teilnehmenden Schulen

Als Behindertenbeauftragter unserer Kur- und Kreisstadt Bad Salzungen möchte ich , ein paar Worte zur heutigen Veranstaltung, des Fördervereins der „ Initiative Gib niemals auf „ zum „Tag der Begegnung“, sagen.

In meiner letzten Rede vor dem Stadtrat trug ich einige statistische Zahlen vor, welche die Bedeutung von Barrierefreiheit für unser Zusammenleben verdeutlichen sollen.
Mit fast 3.400 Einwohnern mit einer anerkannten Behinderung umfasst diese Gruppe gut ein Fünftel der Bevölkerung. Knapp 2.000 Personen haben einen Grad der Behinderung von mindestens 50%.
Zu diesen nüchternen Zahlen muss man noch den demografischen Wandel hinzu denken. Aber nicht nur Senioren, auch Kinderwagen brauchen Barrierefreiheit. Als Kurstadt sollte Bad Salzungen zudem ein besonderes Interesse an der Beseitigung von Hindernissen aller Art haben. Nicht nur unserem Selbstverständnis nach, auch wegen unserer Gäste und Kunden unseres ansässigen Gesundheitswesens.

Zu diesem Thema gibt es viel Licht und Schatten.
Licht sehe ich bei Projekten wie dem Bahnhof und seinem Umfeld. Hohe Standards werden hier angelegt, um Barrierefreiheit für körperlich Beeinträchtigte als auch Sinnesgeschädigte zu erreichen. Diese Maßstäbe werden nun schrittweise auch bei anderen Bauprojekten angelegt. So soll auch die Pestalozzistraße mit ihrer Sanierung ein Blindenleitsystem bekommen. Oder man denke an den behindertengerechten Block der Gewog in der Leimbacher Straße.

Aber es gibt noch viel Schatten. Schauen wir uns beispielsweise hier auf dem Markt um, gibt es außer der Apotheke kaum einen barrierefreien Geschäftseingang. Auch um den Burgsee herum gibt es Problemstellen, die von Bürgern beklagt werden. Oder man denke an die allgemein schon schlechte, für körperlich Beeinträchtigte Menschen aber noch schlimmere Parkplatzsituation am Klinikum.
Was man bei öffentlichen Gebäuden gesetzlich regeln kann, kann man bei Privaten bislang nur mit Einvernehmen erreichen. Manchmal in Momenten der Frustration überlege ich schon, einen Negativpreis wie die „bleierne Barriere“ auszuloben.

Deshalb werde ich nicht müde, auch bei den Gewerbetreibenden dafür zu werben, dass sie das ihnen mögliche dazu tun, um die Situation zu verbessern. Insbesondere möchte ich den hier niedergelassenen Ärzten ans Herz legen darauf zu achten, dass ihre Arztpraxen barrierefrei werden , hier gibt es in der Stadt noch nachholbedarf.
Barrierefreiheit ist ein wichtiges Kriterium für eine Kurstadt mit Klinik, Kurhotel, Solewelt, Sanitätshäusern und vielem mehr. Die künftigen Kunden werden auch älter und haben mehr Mühe, Treppen zu steigen.

Mit dem Bekenntnis, dass es noch viel zu tun gibt und nicht alles nur von staatlicher Seite her geregelt werden kann, möchte ich zum Schluss kommen und wünsche uns allen einen interessanten Tag der Begegnung, neue Kontakte und den ein oder anderen Hinweis für uns Betroffene für unsere Probleme .

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Europäischer Protesttag

Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung findet jährlich am 5. Mai statt. Das Ziel lautet, auf die Situation von Menschen mit Behinderung in Deutschland aufmerksam machen und sich dafür einsetzen, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können.

SPD Wartburgkreis
Maik Klotzbach

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