Bad Salzungen. Seit gut sechs Monaten ist Christian Schließmann ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt Bad Salzungen. Im Stadtrat zog er eine erste Bilanz über seine Arbeit. Nicht nur in der Stadtverwaltung knüpfte Christian Schließmann erste Kontakte, sondern auch bei Vereinen und Verbänden.

Christian Schließmann (SPD), Behindertenbeauftragter der Stadt Bad Salzungen

Christian Schließmann (SPD), Behindertenbeauftragter der Stadt Bad Salzungen

Als recht schwierig erwies sich, statistische Zahlen zu Menschen mit Behinderungen in Bad Salzungen zu erhalten. Das Versorgungsamt in Bad Salzungen konnte ihm schließlich helfen. „Diese Zahlen sind durchaus wichtig, um die Zielgruppe einschätzen zu können, für die ich tätig sein muss“, erklärte Schließmann. So sind beim Versorgungsamt über 1000 Einwohner mit Funktionseinschränkungen bei Gliedmaßen und/oder der Wirbelsäule registriert. Weitere 1000 Bürger leiden unter Funktionseinschränkungen der Lunge oder des Herzens. Es gibt 3378 Menschen mit einer anerkannten Behinderung. „Das ist mehr als ein fünftel unserer Einwohner“, so Schließmann. 1975 haben einen Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent. Der Großteil der Betroffenen ist über 41 Jahre alt, wobei die Gruppe von 41 bis 65 Jahren sogar noch größer ist als jene über 65 Jahre.
Christian Schließmann bietet regelmäßig Sprechstunden an. Die sechs Sprechstunden bis Ende Dezember im Bürgerbüro nutzten insgesamt fünf Bürger. Bis März stand Christian Schließmann bei fünf Sprechstunden im Bürgerbüro als Ansprechpartner zur Verfügung. Obwohl er auch Termine außerhalb des Rathauses anbot, nutzte nur eine Bürgerin diese Möglichkeit. Weitere Sprechstunden in der Volkssolidarität und anderen Einrichtungen sind dennoch fest eingeplant. „Dadurch erhoffe ich mir eine Steigerung der Frequentierung.“
Ein Schwerpunktthema in den Sprechstunden war die Parkplatzsituation am Klinikum. „Ich muss wirklich sagen, dass die Parkplatzsituation für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige, welche auf einen Schwerbehindertenparkplatz angewiesen sind, sehr schwierig ist. Da müsse schnellstmöglich etwas getan werden“, betonte Christian Schließmann. Zudem gibt es auch Personen mit einer Behinderung, die keinen blauen Parkausweis besitzen und somit den Behindertenparkplatz nicht nutzen dürfen, aber den Weg zum normalen Parkplatz nur sehr schwierig erreichen. „Auch hier besteht Handlungsbedarf.“
Einiges Kopfzerbrechen bereiten die Aufzüge am Bahnhof. Knapp ein halbes Jahr sind die Aufzüge in Betrieb, waren aber schon mehrfach defekt. Mit der Bahn ist Christian Schließmann im Gespräch, um Abhilfe zu schaffen. „Die kaum zufrieden stellende Situation für die Betroffenen schmerzt mich sehr.“
In seiner Funktion als Behindertenbeauftragter nimmt Christian Schließmann an Sitzungen der Landesgruppe kommunaler Behindertenbeauftragter des Landes teil. Zudem engagiert er sich im Seniorenbeirat. „Ich bin zwar etwas jung, aber das ist gar nicht schlimm.“
In diesem Jahr wird es für Christian Schließmann hauptsächlich um die aktive Begleitung der Barrierefreiheit beim Umbau des Bahnhofsareals und um einen barrierefreien Zugang von der Burgseepromenade ins Kurhaus gehen. „Ich bin sehr froh üder die Gestaltung des Bahnhofsumfelds. Der Bahnhof ist für viele Ankömmlinge der erste Eindruch unserer Kurstadt.“ Die hohen Standards sollen Berücksichtigung finden: angefangen von der Höhe der Bordsteine und deren Abrundung, über die Begegnungsbreite von Bürgersteigen bis hin zu einem Blindenleitsystem, Ampeln mit Akustiksignal und angepassten Infotafeln an den Bussteigen für Sinnesgeschädigte. „Das wird in Sachen Barrierefreiheit ein Vorzeigeprojekt“, glaubt Christian Schließmann. Er würde sich wünschen, wenn die Privatwirtschaft und die Unternehmen erkennen, wie wichtig die Barrierefreiheit für Bad Salzungen als Standort ist.
Bürgermeister Klaus Bohl (Freie Wähler) würdigte das hohe Engagement von Christian Schließmann. Die angesprochenen Probleme ärgern auch den Bürgermeister. „Über zwei Millionen Euro wurden am Bahnhof investiert, wir haben jahrelang gekämpft.“ Es sei blamabel, dass die Aufzüge kurz nach der Inbetriebnahme wochenlang defekt gewesen seien. Noch keine zufrieden stellende Lösung habe man am Klinikum gefunden. „Wir kontrollieren auf Wunsch des Klinikums verstärkt, damit die Rettungswege frei bleiben.“ Durch den Anbau seinen nun weitere Parkplätze weggefallen. „Die Herausforderung besteht darin, kurze Wege anzubieten.“
Christian Schließmann, hob Klaus Bohl hervor, sei ein wichtiger Partner beim Bahnhofsprojekt. „Das soll ein Vorzeigeprojekt werden. Daran arbeiten wir gemeinsam.“

STZ – Südthüringer Zeitung

SPD Wartburgkreis
Maik Klotzbach

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