Günther Pohl, Christian Gesang, Maik Klotzbach, Gunter Kunze und weitere Genossen verfolgten die Veranstaltung

Günter Pohl, Christian Gesang, Gunter Kunze und weitere Genossen verfolgten die Veranstaltung

Ein klares Bekenntnis gaben gestern rund 300 Bürger auf dem Bad Salzunger Kirchplatz ab: Nein zu Fremdenhass. Damit setzten sie ein Zeichen gegen die rechten Parolen, die zeitgleich über den Markt geschmettert wurden.
Bad Salzungen – Bad Salzungen ist demokratisch, tolerant und weltoffen – das bewiesen mehr als 300 Bürger, die gestern Abend der Veranstaltung „Für Zivilcourage, gegen Rassismus“ auf dem Kirchplatz beiwohnten. Eingeladen hatte die Ordnungspartnerschaft gegen Extremismus, der alle Stadtratsfraktionen, Schulen, die Stadtverwaltung und die Kirchen angehören. Der Stadtverband der Linken, der am Platz unter den Linden eine Veranstaltung geplant hatte, schloss sich ebenfalls an. Man wollte ein Zeichen setzen gegen die rechte Demo auf dem Markt, die die NPD – als „Bündnis für Demokratie und Sicherheit“ getarnt – angemeldet hatte. Erkennen konnte man das auf den Flyern allerdings nicht. Gelockt wurde mit Schlagwörtern wie „ungebremster Zustrom an Asylbewerbern“, „Nein zur Mauer, aber Ja zu sicheren Außengrenzen“ und „Wir sind das Volk“. Die Strategie, viele unsichere oder sorgenvolle Bürger zur rechten Demo zu locken, ging nicht auf. Während auf dem Kirchplatz geschätzte 300 Bürger waren, waren es auf dem Markt nicht mehr als 200. Dem späteren Umzug durch die Stadt schlossen sich nur rund 100 Leute an.

Nicht jeder, der sich Sorgen mache, sei ein Nazi, sagte Ralf Tonndorf (Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat) auf dem Kirchplatz. „Aber jeder, der dieser Einladung auf den Markt folgt, muss sich mit ihnen in einen Topf werfen lassen.“ Anständige Salzunger seien früher nicht hinter Nazis hergelaufen und würden es heute auch nicht tun. Der 9. November sei ein Schicksalstag in der deutschen Geschichte. Am 9. November 1923 habe Hitler den ersten Versuch unternommen, die Macht zu ergreifen. Zehn Jahre später habe er den 9. November zum Ehrentag erklärt. Am 9. November 1925 sei die SS gegründet worden, am 9. November 1938 dann die Reichspogromnacht. „Juden raus, Ausländer raus!“, sei damals gerufen worden. „Warum kommt mir das so bekannt vor?“, meinte Tonndorf. Er schäme sich, dass diese Partei einen Umzug durch Bad Salzungen organisieren könne und dürfe. „Am 9. November 1989 war ich auch mit einer Kerze in der Hand auf dem Kirchplatz.“ Wenn damals ein Nazi gerufen hätte „Wir sind das Volk“, dann wäre ihm
niemand hinterhergelaufen, ist sich Tonndorf sicher.
Bürgermeister Klaus Bohl erinnerte daran, dass am 9. November 1938 Nationalsozialisten begannen, das Leben Tausender Juden zu zerstören. „Auch in unserer Stadt.“ Steine seien in jüdische Schaufenster geflogen. Sämtliche jüdischen Bürger seien in Schutzhaft genommen und die Männer später nach Buchenwald gebracht worden. „Als Bürgermeister schäme ich mich dafür, was den Menschen angetan wurde.“ Das Datum sei Mahnung und Auftrag, dafür zu sorgen, dass sich nie wieder Rassismus, Antisemitismus und Extremismus breitmachen können. „Ja, es gibt eine starke Zuwanderung. Und das ist die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung. Ja, wir müssen die Sorgen und Ängste ernst nehmen und aufklären. Ja, wir müssen noch viel leisten, damit sich die Menschen integrieren. Ja, sie müssen sich an Normen und Gesetze halten. Aber ein klares und eindeutiges Nein zu Fremdenhass.“

Mit Redebeiträgen, Liedern, Gedichten und einem Tanz trugen Schüler der 1. Stadtschule und des Gymnasiums sowie Mike Noack, Schulleiter des Gymnasiums, zum bunten Programm bei. Bevor Superintendent Dr. Ulrich Lieberknecht zum ökumenischen Friedensgebet in die Stadtkirche lud, ließen die Menschen Luftballons in die Höhe steigen.

https://www.insuedthueringen.de/lokal/bad_salzungen/fwstzslzlokal/Klares-Bekenntnis-gegen-rechts;art83434,4459488

SPD Wartburgkreis
Maik Klotzbach

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