Der Kreistag bescließt mit knapper Mehrheit den von Andreas Hundertmark für die Fraktion SPD/Grüne/LAD gestellten Antrag, auf kreiseigenen Flächen kein Glyphosat mehr einzusetzen.
„Mit einer Zustimmung zu diesem Antrag übernehmern wir nicht nur Verantwortung für die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger sondern auch für eine vielfältige Natur“, erklärt Andreas Hundertmark (Grüne).
Nach dieser Entschuldigung wird der Kreis bei allen eigenen oder unter seiner Bewirtschaftung stehenden Flächen auf den Einsatz von Glyphosat verzichten und bei neuen Pachtverträgen die Pächter ebenso auf den Verzicht des Einsatzes des Pflanzengiftes verpflichten. Dies gilt auch für Firmen, die im Auftrag des Landkreises Grün- oder Sportflächen pflegen. Die kreisangehörigen Gemeinden werden zudem dazu angehalten.

.

Weiterhin wird der Wartburgkreis aufgefordert, bei den Bürgern, wie etwa auch Landwrten, sowie Bahn und Kirchen dafür zu werden, ebenfalls keine glyphosathaltigen Produkte einsetzen. Die zuständigen Ämter des Kreises sollen zudem Landwirte über alternative Bewrtschaftungsmethoden informieren.

Der Kreistag möge beschließen:
1. Der Wartburgkreis verzichtet bei allen landkreiseigenen bzw. unter seiner Bewirtschaftung stehenden Flächen auf den Einsatz von Herbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat.
2. Der Wartburgkreis fügt beim Abschluss neuer Pachtverträge für landkreiseigene Flächen und bei der Verlängerung von Pachtverträgen eine Klausel ein, mit der sich der Pächter zum vollständigen Verzicht auf den Einsatz von glyphosathaltigen Mitteln auf diesen Flächen verpflichtet. Diese Vorgabe wird auch bei Verträgen umgesetzt, die eine automatische Verlängerung für den Fall vorsehen, dass keine Kündigung erfolgt.
3. Der Wartburgkreis verpflichtet vertraglich private Unternehmen, die Aufträge des Landkreises zur Pflege von Grün-, Sport- und Verkehrsflächen erhalten, entsprechend auf einen Glyphosatverzicht. Bei laufenden Verträgen wird auf eine freiwillige Einigung hingewirkt.
4. Der Wartburgkreis wirkt darauf hin, dass seine Städte und Gemeinden ebenfalls auf den Einsatz von Glyphosat verzichten.
5. Über die vom Wartburgkreis genutzten Medien werden Landwirte sowie Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, dem Beispiel des Landkreises zu folgen und auch keine glyphosathaltigen Produkte mehr zu einzusetzen. Gleiches gilt auch für kirchliche Grundstücke sowie Bahngrund.
6. Von zuständigen Ämtern des Wartburgkreises sollen Landwirte über alternative Bewirtschaftungsmethoden informiert und beraten werden.

Begründung:
Laut Antwort auf die Anfrage von Herrn Andreas Hundertmark vom 06.06.2018 setzt der Wartburgkreis heute schon keine Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat ein. Es gibt aber keine Verpflichtung dazu. Damit dies auch zukünftig sichergestellt wird, bedarf es eines Beschlusses.
Glyphosat ist ein Totalherbizid, d. h. ein Pflanzenvertilgungsmittel (Herbizid), das unspezifisch wirkt und in entsprechender Dosierung alle Pflanzen absterben lässt. Es wird in der Landwirtschaft eingesetzt in Verbindung mit gentechnisch veränderten Nutzpflanzen, z. B. Soja, die gegen das Mittel resistent gemacht wurden, ist aber auch in Unkrautvernichtungsmitteln enthalten, die von öffentlichen Stellen und von Privaten auf unterschiedlichsten Flächen eingesetzt werden. Vieles spricht dafür, dass Glyphosat Krebs und auch Missbildungen bei Neugeborenen hervorrufen kann. Auch im Tierversuch mit Mäusen hatten sich Hinweise auf eine krebserregende Wirkung von Glyphosat ergeben. Im März 2015 hat die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen“ eingestuft. Im Rahmen einer Aktion des BUND wurde der Urin von mehr als 2.000 Bundesbürgern/innen untersucht. In 90 % der Proben wurde Glyphosat gefunden. In einem Drittel der Proben lag der Wert über 1 Mikrogramm pro Liter. Der höchste gemessene Wert lag bei 4 Mikrogramm pro Liter. Ob diese Mengen als bedenklich einzustufen sind, ist unter zuständigen Behörden – national wie international – umstritten. Unabhängig davon hat Glyphosat negative Folgen für die Artenvielfalt, weil es unterschiedslos alle Pflanzen abtötet und damit Lebensräume auch für Tiere zerstört.

Alle Artikel von Banner, SPD, SPD Wartburgkreis, Themen, Umwelt

Kommentare