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Die vier freiwilligen Feuerwehren der Einheitsgemeinde Unterbreizbach sollen zusammengelegt werden. Dagegen gibt es Bedenken – nicht von der Feuerwehr.
Sünna – „Zusammenlegung der vier freiwilligen Feuerwehren“ war ein Tagesordnungspunkt der Unterbreizbacher Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend in Sünna. Es wurde lange diskutiert. Im Publikum saßen mehrere Feuerwehrleute, denen auf einstimmigen Beschluss Rederecht eingeräumt wurde.

CDU-Fraktionschef Meinhard Pforr beantragte, den Beschluss von der Tagesordnung zu nehmen, weil „noch erheblicher Klärungsbedarf besteht“. Nico Lahs (SPD-Fraktion) erwiderte, es gehe noch nicht um die Zusammenlegung.

„Wir beschließen eigentlich nur, dass wir uns darüber unterhalten wollen.“ In einer E-Mail, die Bürgermeister Roland Ernst (parteilos) an die Fraktionsvorsitzenden und die Ortsteilbürgermeister geschickt hatte, sei von einem Grundsatzbeschluss die Rede gewesen, sagte Meinhard Pforr. Es sei im Feuerwehrausschuss darüber geredet worden, aber nicht im Hauptausschuss, kritisierte er und erklärte für seine Fraktion: „Wir werden uns heute an irgendeiner Abstimmung nicht beteiligen. Wir werden dann im Zuschauerraum Platz nehmen.“

Antrag abgelehnt

„Ich denke mal, jeder von uns ist des Lesens mächtig“, sagte Bürgermeister Roland Ernst (parteilos) und erklärte: „Der Beschluss heißt: Der Gemeinderat beauftragt den Bürgermeister, eine Beschlussvorlage für die Zusammenlegung der vier freiwilligen Feuerwehren der Einheitsgemeinde und den Bau eines zentralen Feuerwehrgerätehauses dem Gemeinderat vorzulegen.“

Das bedeute lediglich, dass der Gemeinderat ihm den Auftrag erteilen solle, einen Grundsatzbeschluss vorzubereiten – oder eben nicht. Bekomme er den Auftrag, werde er mit Wehrleitung und Ortsbrandmeister diskutieren, wie eine Zusammenlegung aussehen könne.

Der Antrag, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen, wurde mehrheitlich abgelehnt: Die fünf anwesenden CDU-Mitglieder stimmten dafür, SPD-Fraktion und Linke dagegen.

Bevor die Diskussion eröffnet wurde, erklärte der Bürgermeister, warum es sinnvoll sei, die Wehren von Unterbreizbach, Sünna, Räsa und Mosa zusammenzulegen und ein gemeinsames Feuerwehrgerätehaus zu bauen. Als Standort wird Räsa favorisiert. Die Zahl der aktiven Kameraden sei in den vergangenen zwölf Jahren von 118 auf 83 zurückgegangen und die Einsatzbereitschaft der Wehren wäre ohne die Mitarbeiter des Bauhofs tagsüber in der Woche nicht immer gewährleistet. „Und dieser Trend wird anhalten“, sagte Roland Ernst. Die Mitglieder des Feuerwehrausschusses hätten den Vorschlag „Zusammenlegung und Bau eines zentralen Feuerwehrgerätehauses“ befürwortet. Die Kameraden fürchten, die Einsatzbereitschaft künftig nicht mehr aufrechterhalten zu können.

Fahrzeiten getestet

Unterbreizbacher Feuerwehrleute haben nach Angaben des Bürgermeisters bereits getestet, wie lange es dauern würde, im Einsatzfall von Unterbreizbach nach Räsa, von Pferdsdorf nach Räsa, von Sünna nach Räsa, von Mosa nach Räsa und wieder zurückzukommen.

„Und die Einsatzzeiten von zehn Minuten werden eigentlich locker in allen Ortsteilen erreicht, mit Ausnahme von Mosa, wo es acht Sekunden drüber liegt“ berichtete er. Eine weitere Ausnahme sei Deicheroda, wo man zwei Minuten länger brauche – deshalb würde dort künftig ein Einsatzfahrzeug stehen bleiben.

Er habe beim Landesverwaltungsamt nachgefragt – weil es für den ursprünglich geplanten Anbau an das Feuerwehrhaus in Unterbreizbach einen Fördergeldbescheid gebe -, wie dies mit „so einer zentralen Geschichte“ aussehen würde. Und man habe ihm gesagt, das sei der vernünftige Weg. Auch Kreisbrandinspektor Frank Uehling fände die Zusammenlegung gut.

„Und das sagt mir eigentlich schon, wenn die zwei Entscheidungsträger das begrüßen, dass das aus feuerwehrtechnischen Gründen nicht verkehrt wäre“, so Roland Ernst. „Also es ist machbar und würde auch gefördert werden, sofern die Gemeinde die entsprechenden Anträge fristgerecht einreichen würde.“

Die CDU-Faktion wollte unter anderem wissen, was das Vorhaben kosten würde, dazu gibt es nur Schätzwerte, da noch nichts geplant ist. Wegen vieler Detailfragen mahnte Versammlungsleiter Ralph Klinzing (Linke) zwischenzeitlich mehrfach an, es gehe noch nicht um die Umsetzung.

Sünnas Ortsteilbürgermeister Manfred Heidrich (CDU) hat „Bauchschmerzen bei der Geschichte“. So will er beispielsweise nicht glauben, dass die zehn Minuten Anrückzeit bei einem zentralen Standort Räsa prinzipiell ausreichten. „Das Problem sehe ich auch“, sagte Elvira Fischer (CDU).

„In Sünna ist es ein bisschen anders als in Unterbreizbach. Wenn hier die Sirene geht, dann kommen die Leute mit dem Fahrrad angefahren. Und Sie glauben doch nicht im Ernst, dass die Leute mit dem Fahrrad den Räsaer Berg runterfahren.“ Außerdem befand sie, ein „Schnellschuss“ sei falsch, man müsse zunächst mit den Feuerwehrleuten reden.

Effektivere Arbeit

Matthias Lückert, Gerätewart in Sünna, betonte, alle seine Kameraden wüssten über das Thema Bescheid, und „die einhellige Meinung geht dahin, dass es auf alle Fälle für eine Zukunft der Feuerwehr Sünna sinnvoll ist, so was zu tun.“

Axel Atlas, Gerätewart in Unterbreizbach, sagte, er sei bisher auch bei jedem Einsatz mit dem Fahrrad zur Feuerwehr gefahren. „Das geht natürlich dann nicht mehr. Eine gewisse Umstellung muss jeder in Kauf nehmen.“ Einfacher werde es vielleicht nicht. „Aber es wird auf jeden Fall effektiver.“

Ron Schumann (CDU) kritisierte, der Gemeinderat sei mit dem Thema „überfallen“ worden.

Uwe Schmidt, Ortsteilbürgermeister aus Pferdsdorf, ergriff als Feuerwehrmann das Wort. „Wir haben natürlich auch diese berühmten Bauchschmerzen bei dieser ganzen Geschichte. Aber wir sehen auch die ganz großen Vorteile, die diese Zusammenlegung für uns als Feuerwehrkameraden hat.“

Er nannte die gemeinsame Ausbildung, die Entlastung der Gruppenführer, die Wartung der Fahrzeuge und die Ersparnis für die Gemeinde, da spezielle Sachen nur einmal angeschafft werden müssten. Und „die Feinplanung“ solle man dem Feuerwehrausschuss überlassen.

Heinrich Ruppelt (CDU) befürchtet, bei einem Zusammenschluss würde die Feuerwehr Mitglieder verlieren. „Ich war 32 Jahre Bürgermeister, ich kann das einschätzen, die Feuerwehr ist im Ort dieser Kern, der alles mit lenkt, mit leitet und durchführt bis hin zur Kirmes“, sagte er. Dazu sagte Uwe Schmidt: „Das ist Vereinstätigkeit, das hat mit unserer Feuerwehrarbeit nichts zu tun. Und die Vereinsarbeit soll in keinem Ort zerstört werden.“ Dafür sollten die Gerätehäuser möglichst weiter genutzt werden können. Aber auch das gehöre „in die Feinplanung“.

Eine Zusammenlegung habe nur Vorteile, befand Pierre Grzesick, Wehrleiter Unterbreizbach. „Hört doch bitte auf die Leute von der Feuerwehr“, appellierte er an die Gemeinderäte.

Er habe sich bei den Feuerwehrleuten erkundigt, sagte Robert Beck (SPD-Fraktion): „Und wenn ich höre, dass die alle dafür sind, dann ist für mich als Nichtfeuerwehrmann doch klar, dass da irgendwas dran sein muss, dass das eine gute Sache ist.“ Ähnlich formuliert es Michael Drasdo (SPD-Fraktion). Wenn die Feuerwehrleute befänden, „das ist eine gute Lösung, bin ich als Gemeinderatsmitglied einfach in der Pflicht, alles dafür zu tun, dass das funktioniert.“

Sicher seien auch einige Kameraden skeptisch, räumte Andreas Burkhard, stellvertretender Wehrführer in Pferdsdorf ein. „Aber die Leute, die wirklich hinter der Feuerwehrarbeit stehen, die da eine Leidenschaft haben, die fahren auch nach Räsa oder zu einer zentralen Sammelstelle. Also denen geht es um die Sache und nicht um die Organisation oder um die räumlichen Befindlichkeiten.“

Jeden Einzelnen fragen?

Meinhard Pforr schlug vor, „jeden einzelnen Feuerwehrmann“, zu fragen, ob er damit einverstanden ist – und ob er danach in der Wehr bleibt. Dazu sagte Uwe Schmidt: „Glaub mir, jeder Wehrführer kennt seine Pappenheimer, die er daheim sitzen hat. Wenn einer sagt: Ich geh da nicht mehr hin, wirst du den in drei, vier Jahren auch in der eigenen Wehr verloren haben. Weil, wenn der schon so argumentiert, sucht er nur ein Sprungbrett, wo er abspringen kann.“

Bei der Abstimmung war Meinhard Pforr, anders als angekündigt, der Einzige seiner Fraktion, der sich nicht beteiligte. Drei seiner CDU-Kollegen stimmten gegen den Beschluss. Elvira Fischer enthielt sich. Alle anderen stimmten dafür, den Bürgermeister mit dem Vorhaben zu beauftragen.

„Die ganze Diskussion hat gezeigt, dass dieser Tagesordnungspunkt notwendig war und in Zukunft weiterhin Diskussionsstoff gibt“, stellte Versammlungsleiter Klinzing fest. bf

Südthüringer Zeitung
Quelle: http://www.insuedthueringen.de/lokal/bad_salzungen/fwstzslzlokal/Hoert-doch-bitte-auf-die-Leute-von-der-Feuerwehr;art83434,4317143

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