Mehr Demokratie e.V. – Über Ralf-Uwe Beck – und warum er ganz unabhängig vom Bundesverdienstkreuz eine Würdigung verdient

Von Anne Dänner (2. Oktober 2015)

Als ich Ralf-Uwe Beck das erste Mal gegenüberstand, hatte ich weiche Knie – es war ein Vorstellungsgespräch kurz nach dem Studium, es ging um Öffentlichkeitsarbeit für die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands. Ich erwartete einen weiteren Menschen mit Chef-Gebaren, der mit kritischem Blick meinen Lebenslauf mustern würde. Aber es kam…Beck (ein paar Monate später, inzwischen als mein Coach bei Mehr Demokratie, bot er mir auf erstaunliche Weise das „Du“ an: „Ich bin der Beck.“) Damals, es war 2007, kam er mir groß vor, körperlich meine ich – irgendwann habe ich erstaunt festgestellt, dass er tatsächlich kaum größer ist als ich. Wahrscheinlich habe ich Ralf-Uwe Beck damals in Bedeutungsperspektive gesehen, wie sie in mittelalterlichen Gemälden angewandt wurde: Wer wichtig war, war auch groß. Und hier war einer, der wichtig war – nicht nur für mich, sondern in vielen politischen, gesellschaftlichen, menschlichen Zusammenhängen. Der erste Eindruck hat sich bestätigt.

Gestern wurde Ralf-Uwe Beck von Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz verliehen. „Ralf-Uwe Beck setzt sich seit 30 Jahren für Naturschutz, Bürgerrechte und Demokratie ein. Er gründete in der DDR eine freie Umweltgruppe, wurde noch vor dem Fall der Mauer Mitglied im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und baute gleich nach der Wiedervereinigung den Landesverband Thüringen des BUND mit auf“, heißt es in der Begründung. Und weiter: „Außerdem initiierte er 1990 auf dem ehemaligen Grenzstreifen das Kunst- und Erinnerungsprojekt ‚Baumkreuz‘, bei dem sich jedes Jahr im November Menschen aus Ost und West treffen, um durch das Pflanzen und Pflegen von Bäumen das Überschreiten von Grenzen zu symbolisieren. Darüber hinaus engagiert sich Ralf-Uwe Beck seit 1997 im Verein Mehr Demokratie, der bundesweit für Bürgerbeteiligung auf allen politischen Ebenen eintritt.“

Es mag ironisch scheinen, dass ein Bundespräsident, der bisher keinerlei Anstalten gemacht hat, für bundesweite Volksabstimmungen einzutreten, einem Streiter für mehr Bürgerrechte einen Verdienstorden verleiht. Aber es zeigt auch, dass selbst ein solcher Bundespräsident an unbequemen Menschen, die das politische System, so wie es jetzt ist, kritisieren, nicht vorbeikommt. Man mag über das Bundesverdienstkreuz geteilter Meinung sein, über die Verdienste eines Ralf-Uwe Beck sind sich sicher alle einig. Also zurück zu Mehr Demokratie: Der letzte Satz in der offiziellen Würdigung beschreibt nicht ansatzweise, was Beck für und mit Mehr Demokratie tatsächlich erreicht hat: Unter anderem hat er 2000 und 2008 zwei erfolgreichen Volksbegehren in Thüringen organisiert und koordiniert. So unermüdlich, dass ihm das in Unterschriften-Sammler-Kreisen den Spitznamen „Duracell-Beck“ einbrachte.

2003 lag Thüringen im Volksentscheid-Ranking noch auf Platz 12-13 – zehn Jahre später ist der Freistaat auf Platz 4-5 vorgerückt – ich wage die These, dass das ohne Ralf-Uwe Beck nicht passiert wäre. Diejenigen, die Mehr Demokratie schon länger begleiten, werden die Symbole für die Thüringer Volksbegehren in Erinnerung haben: Die Demokratie-Baustelle und – sozusagen als Richtfest-Baum – die Spirale von 260.000 Unterschriften. Soviel zu den „harten“ Fakten. Wer möchte, kann sie nachlesen, zum Beispiel hier oder hier (S. 6-8). Oder hier, wenn man sich für Becks Berichte aus der Zeit der friedlichen Revolution interessiert.

Aber all das ist nur ein Bruchteil dessen, was den Menschen Ralf-Uwe Beck ausmacht, sozusagen ein paar Mosaiksteine im Beck-Bild. Ich will versuchen ein paar weitere Mosaiksteine hinzuzufügen. Ralf-Uwe Beck ist ein Bürger im tieferen Sinn: Er ist bereit für die Gesellschaft zu bürgen, auch öffentlich für seine Überzeugungen und Interessen einzustehen. „Demokratie ist kein Sofa“ oder „Wenn wir aufhören, die Demokratie zu entwickeln, fängt die Demokratie an, aufzuhören“ – wie oft habe ich diese Sätze von ihm gehört. Aber Beck belässt es eben nicht bei schönen Sätzen, sondern kommt auch ins Handeln. Das ist sicher auch einer der Gründe, warum er gestern vor dem Bundespräsidenten stand.

Beck ist Eisenacher und Thüringer mit Leib und Seele („Noh Noh“, würde er jetzt sicher im unnachahmlichen ostdeutschen Bestätigungston sagen). Er kennt Land und Leute und ist auf eine Art mit den Menschen vor Ort verbunden, die sie spüren. Wer den Mechaniker und die Schuhmacherin um die Ecke kennt und schätzt, der schafft es auch, eine Sammlerstruktur mit Landkreisverantwortlichen und hunderten von zuverlässigen Unterschriftensammler/innen aufzubauen und am Laufen zu halten. Das ist einer, mit dem die Leute gerne zu tun haben und dem sie sich „verschreiben“ können. Dass Beck seine Wurzeln in Thüringen hat, heißt aber nicht, dass er nicht über den Tellerrand blickt. Im Gegenteil: Themen wie der Umgang mit und die Unterstützung von geflüchteten Menschen oder der Bezug zur arabischen Welt treiben ihn um. Ich hoffe, er wird es mir nachsehen, wenn ich ihn deshalb als bekennenden „Ossi“ und Weltbürger zugleich bezeichne.

Der gelernte Traktorist ist Pragmatiker und äußerst zupackend veranlagt. Beck weiß, wie man Banner näht, kranke Kinder versorgt, Fahrzeuge repariert, den Garten bestellt und anschließend von Wildschweinen und sonstigem Getier freihält (das möchte ich an dieser Stelle nicht vertiefen), wie man knackige Texte schreibt und Presse-Bilder schafft – eben wie man die Dinge anpackt. Aber: Er bleibt nicht im Praktischen stecken, schaut hinter die Oberflächen und über das unmittelbar Sichtbare hinaus. Eine der ersten Lektionen, die Unterschriftensammler/innen von Beck lernen, ist: Es lohnt sich, ausnahmslos jeden Menschen anzusprechen, gerade auch die, von denen man erstmal denkt „Der/die wird niemals stehenbleiben.“

Vorurteile weg, Augen auf und dem, was kommt, mit Offenheit begegnen. Und das scheint mir persönlich der wichtigste Punkt, warum er eine Würdigung verdient – Beck ist Seelsorger. Damit meine ich nicht, dass er Pfarrer oder Prediger ist, das ist er auch, aber das tut hier nichts zur Sache. Er ist einer, der sich um den ganzen Menschen, also auch um „die Seele“, das Innere, das wahre Wesen der Menschen kümmert. Es geht ihm bei dem, was er politisch und gesellschaftlich tut, um den „aufrechten Gang“ des Menschen.

In seinen eigenen Worten um „die Chance, die darin liegt, meine Stimme, meine Meinung, meine Person in die Waagschale zu werfen“, um die Verpflichtung, „sich in seine eigenen Angelegenheiten einzumischen“, für sich selbst, aber auch für die Rechte anderer einzustehen. Und noch ein Zitat: „Es gibt keinen Grund, den Menschen zu misstrauen, vielmehr sollten wir ihnen zutrauen, dass sie alles, was sie mitbringen, auch einsetzen.“

Ralf-Uwe Beck jedenfalls tut genau das: Er setzt alles ein – und zwar seit Jahrzehnten. Danke!

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